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E&G Quaternary Science Journal An open-access journal of the German Quaternary Association
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Volume 63, issue 1
E&G Quaternary Sci. J., 63, 19–43, 2014
https://doi.org/10.3285/eg.63.1.02
© Author(s) 2014. This work is distributed under
the Creative Commons Attribution 3.0 License.
E&G Quaternary Sci. J., 63, 19–43, 2014
https://doi.org/10.3285/eg.63.1.02
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  29 Jun 2014

29 Jun 2014

Erwägungen zur Korrelation mittelpleistozäner Relikte des Rheingletschers mit der Nordschweizer Stratigraphie

Keller Oskar Keller Oskar

Abstract. Für die Nordschweiz wird in Preusser, Graf, Keller, Krayss & Schlüchter (2011) dargelegt, dass vor den bekannten Glazialen Würm = Birrfeld und Riss = Beringen zwei (eventuell drei) weitere mittelpleistozäne Glaziale einzuschieben sind: Habsburg und Möhlin. In dieser Arbeit werden an ausgewählten Schlüsselstellen in Süddeutschland litho- und morphostratigraphische Befunde ausgewertet, die es ermöglichen diese zwei neu eingeführten Glaziale auch auf den Rheingletscher zu übertragen.

Dem Zeitraum der Deckenschotter-Eiszeiten schliesst sich die Periode der MPR (Mittelpleistozäne Reorganisation) mit einer markanten fluvialen Ausräumung des Bodenseegebiets an. Es wird gezeigt, dass die Gletscher der nachfolgenden mittelpleistozänen Becken-Eiszeiten das übertiefte Bodenseebecken ausschürften. Die älteste dieser Eiszeiten wird als Größtes Rheinisches Glazial (GRG) = Möhlin bezeichnet und entspricht dem von Ellwanger (2003) eingeführten Hosskirch. Ihm können im nördlichen Rheingletschergebiet alle äußersten glaziären Bildungen zugewiesen werden. Im Nordwesten wurden diese früher als risszeitlich interpretiert, im Nordosten hingegen als mindelzeitlich. Das GRG ist nachweisbar älter als Riss, aber jünger als die Jüngeren Deckenschotter. Mindel im Nordosten des Rheingletschers würde daher zur Becken-Eiszeit.

Das Habsburg-Glazial erreichte in der Nordschweiz ungefähr Ausmaße wie Würm. Im Rheingletschergebiet konnten in der entsprechenden Bandbreite, aber auch ausserhalb Zeugen und/oder Indizien gefunden werden, die dieses Glazial wahrscheinlich machen. Bisher ist diese eiszeitliche Großvergletscherung im nördlichen Rheingletschergebiet nicht erkannt worden, weil ihre Hinterlassenschaften von den nachfolgenden Glazialen Riss und Würm großenteils zerstört wurden.

Für die chronostratigraphische Einordnung des Größten Rheinischen Glazials GRG sowie des Habsburg-Glazials können zwischengeschaltete Interglaziale als Zeitmarken beigezogen werden: IG Unterpfauzenwald – GRG – IG Holstein – Habsburg – IG Meikirch – Riss – IG Eem. Demgemäss ergibt sich folgende zeitliche Ordnung für die Glaziale: GRG +350 ka BP (MIS 10), Habsburg +250 ka BP (MIS 8), Riss +150 ka BP (MIS 6).

Publications Copernicus
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